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unter "Aktuell" Joseph Haydn: Die Schöpfung - Gesamtleitung:
Propsteikantor Ralf Bibiella Orgelkonzert - Orgel: Prof. Martin Setchell,
Neuseeland Orgelkonzert - Leipziger Orgeltradition Orgelkonzert zum Katharinenmarkt - Max Reger J.S. Bach: Das Weihnachtsoratorium - Kantaten 1
und 4 bis 6 Orgelmusik in der Silvesternacht - Sinfonische
Bearbeitungen für Orgelduo
St. Katharinen
Musikprogramm im Jahresüberblick
Das Musikprogramm zu St. Katharinen zieht seit vielen Jahren
aufgrund seiner Vielfalt und der Präsenz renommierter
Künstler Musikliebhaber von nah und fern an. Auch 2012 haben
Propsteikantor Ralf Bibiella und der Musikausschuss unserer
Kirchengemeinde ein vielversprechendes
Veranstaltungsprogramm zusammengestellt.
Ein Schwerpunkt, der sich durch die kommenden Monate ziehen
wird, ist das Jahresthema der Evangelischen Kirche in Hessen
und Nassau „Kirche macht Musik – Musik macht Kirche“.
Im Zentrum vieler Veranstaltungen steht daher der
evangelische Choral. Das Kirchenlied wird in monatlichen
Musikgottesdiensten sowohl musikalisch als auch theologisch
thematisiert. Damit wird der zentralen Bedeutung der Musik
im evangelischen Gottesdienst Rechnung getragen, die seit
Martin Luther dem Wort als Mittel der Verkündigung
gleichwertig zur Seite steht. Die Landeskirche unterstützt
die Umsetzung ihres Jahresthemas in den Gemeinden auf
vielfältige Art und Weise, nicht zuletzt durch finanzielle
Zuschüsse für besondere kirchenmusikalische Ereignisse.
Im Frühjahr steht zunächst mit „Zwei Religionen, eine
Sprache“ ein großes Gastkonzert an. Unter diesem
programmatischen Titel gastiert Giora Feidman am Samstag,
dem 12. Mai 2012, bereits zum zweiten Mal in der
Katharinenkirche. Bei dem Konzert, das Klezmer orientierte
Musik verspricht, wird er unterstützt von den Musikern des
Gershwin Quartetts.
Ein Höhepunkt versprechen die Orgelkonzerte an den
Pfingsttagen zu werden. Der Organist und Professor an
der McGill University, Kanada, Hans-Ola Ericsson hält
für jeden der Feiertage etwas Besonderes bereit. Im
Pfingstgottesdienst am 27. Mai wird er die
Katechismuslieder Martin Luthers vorstellen. Mit diesen
in Musik gefassten Glaubenssätzen wollte der Reformator zu
seiner Zeit den meist des Lesens und Schreibens unkundigen
Gläubigen das Lernen der zentralen Glaubensregeln
erleichtern. AmAbend
wird Ericsson sowohl die kleinen als auch die großen
Bearbeitungen von Johann Sebastian Bachs „Orgelmesse“
zu Gehör bringen. Das späte Werk Bachs aus dem Jahr 1739 ist
ein Versuch des Komponisten, mit einem großen Zyklus seine
Theologie und Glaubenssätze musikalisch zu fassen. Im
Kontrast dazu steht am Pfingstmontag die Komposition
„Das Amen der vier Wesen“ (1999/2000) von Hans-Ola Ericsson,
eine deutsche Messe für Orgel und Tonbandeinspielungen von
Aufnahmen aller existierenden Schnitger-Orgeln. Das Werk
entstand als Auftragsarbeit in Zusammenhang mit der
15-jährigen Erforschung der Arbeitstechnik des Orgelbauers
Arp Schnitger und der daraus erfolgten Rekonstruktion von
Schnitgers ehemals für den Lübecker Dom erbauten Großorgel.Ericssons Orgelmesse orientiert sich an der
Lutherischen Messe und bietet durch Bandeinspielungen aus
dem gesamten Kirchenraum ein umfassendes Klangerlebnis.
Ein weiteres besonderes Konzertereignis 2012 ist die
Aufführung von Joseph Haydns „Schöpfung“ am 17. Juni
in der Katharinenkirche. Durch die Zusammenarbeit
verschiedener Kantoreien aus ganz Rheinhessen erhält das
Konzert die große Besetzung, die dem Werk Haydns angemessen
ist und dessen klangliche Möglichkeiten voll ausschöpft. Das
heitere Stück, das mit geistvoller Umsetzung vieler zu
seiner Entstehungszeit neuer Gedanken überrascht, zeigt
Joseph Haydn in seiner Bedeutung als wichtigen deutschen
Komponisten, der oftmals zu Unrecht unterschätzt wird. Die
rheinhessischen Chöre werden unterstützt von Gesangssolisten
und der in Oppenheim bereits bekannten Thüringen
Philharmonie. Die Gesamtleitung obliegt Propsteikantor Ralf
Bibiella. Interessierte Sängerinnen und Sänger sind zum
Mittun herzlich eingeladen. Anmeldung bei Ralf Bibiella
(Telefon: 06133-1267).
Ein in jeder Hinsicht anders gelagertes Musikereignis stellt
in diesem Jahr die Kinderoper anlässlich des
Gemeindefestes der Evangelischen Kirchengemeinde am ersten
Septemberwochenende dar. Zum 20sten Male wird in diesem
Rahmen eine Kinderoper aufgeführt, was für die
Verantwortlichen Katrin und Ralf Bibiella Anlass war,
einen besonderen Akzent zu setzen. So schufen die
Oppenheimer Pfarrerin Manuela Rimbach-Sator (Libretto) und
der Opernsänger und Komponist Stefan Stoll (Musik) die
Kinderoper „Von der Musik, die zum Himmel dringt“.
Liebevoll und unterhaltsam in Sprache und Musik erzählt die
Oper die Geschichte von David und seiner Salbung zum König.
Kinder, die gerne mitsingen möchten, sind herzlich
eingeladen, sich bei Katrin Bibiella anzumelden (Telefon:
06133-1267).
Schließlich wird auch 2012 das
traditionelle Konzert in der Weihnachtszeit nicht fehlen. In
diesem Jahr darf sich das Publikum auf Johann Sebastian
Bachs „Weihnachtsoratium“ am dritten Adventssonntag
freuen. Begleitet vom originalgetreuen Klang der
historischen Instrumente der Churpfälzischen Hofkapelle
singen die Kantorei St. Katharinen und namhafte
Opernsolisten. Neben der wohl bekannten klassischen
Eröffnungskantate des Oratoriums werden die seltener
gespielten und gehörten Kantaten vier, fünf und sechs
erklingen.
Zu den genannten Schwerpunktveranstaltungen erstrecken sich
über das Jahr verteilt verschiedene Gastkonzerte, die sich
sonst auf eine Orgelfestwoche konzentrieren. So gastiert am
24. Juni der neuseeländische Organist Martin
Setchell an der Woehl-Orgel und am 16. September der
Lübecker Marienorganist Johannes Unger mit Werken der
Leipziger Orgeltradition. Am
22. September findet wegen großer Publikumsnachfrage
eine Neuauflage der Veranstaltung „Höre – Trinke –
Genieße“
statt, bei der Orgelklänge und Weinaromen mit einander in
einen ästhetischen Dialog treten. Am
Katharinenmarktsonntag, dem 21. Oktober, gastiert
Chartres-Preisträger Christian Barthen aus Saarbrücken
in Oppenheim, bevor am Sonntag, dem
18. November, die Teilnehmer des vorausgehenden
Orgelmeisterkurses ihr Abschlusskonzert präsentieren. In
der
Silvesternacht beschließt traditionell das
Organistenduo Katrin und Ralf Bibiella mit
sinfonischen Bearbeitungen für die Orgel ein
kirchenmusikalisch ereignisreiches Jahr.
Die Woehl-Orgel der
Katharinenkirche zu Oppenheim
Hans-Ola Ericsson spielt:
Anonymus (ca. 1700): 01 Batalha de 6. ton Dietrich Buxtehude (1637-1707):
02 Nun freut euch lieben Christen g‘mein BuxWV 210 Torsten Nilsson (1920-1999): 03 Linguae tamquam ignis Nicolas de Grigny (1671-1703):
04 Récit de Tierce en Taille Johann Sebastian Bach (1685-1750): 05 Toccata in E BWV 566 Oskar Lindberg (1887-1955):
06 Gammal fäbodpsalm från Dalarna Cesar Franck (1822-1890): 07 Choral Nr. 3, a-moll, FWV 40 Johann Sebastian Bach - Virgil Fox:
08 Komm, süßer Tod Anonymus (ca. 1700): 09 Batalla famossa
Gesamtzeit incl. Pausen:
CD OBV
01
Die Woehl-Orgel der
Katharinenkirche zu Oppenheim
Ralf Bibiella spielt:
Johann Sebastian Bach
(1685-1750): 01 Komm heiliger Geist BWV 651 Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847):
6. Sonate „Vater unser im Himmelreich“ op. 65
02 Choral - Andante sostenuto - Allegro molto6
03 Fuga. Sostenuto e legato
04 Finale. Andante Max Reger (1873-1916): Wie schön leucht‘ uns der Morgenstern op. 40 Nr. 1
05 Introduzione. Pesante - Andante sostenuto
06 Adagio con espressione
07 Allegro vivace Karl Höller (1907-1986): 08 Die Sonn‘ hat sich mit ihrem Glanz gewendet op. 61 Johann Sebastian Bach (1685-1750):
09 Sei gegrüßet, Jesu gütig BWV 768
Gesamtzeit incl. Pausen: 77‘51
CD OBV 02
Die Woehl-Orgel der Katharinenkirche zu
Oppenheim
Katrin Bibiella und Werner Zühlke spielen:
Johann Sebastian Bach (1685-1750): 01 Fantasie G-Dur BWV 572 Marcel Dupré (1886-1971):
Prélude et Fugue en sol mineur op. 7 Nr. 3
02 Prélude
03 Fugue Johann Sebastian Bach (1685-1750): Präludium und Fuge f-moll BWV 534
04 Präludium
05 Fuge Marcel Dupré (1886-1971): Prélude et Fugue en fa mineur op. 7 Nr. 2
06 Prélude
07 Fugue Dietrich Buxtehude (1637-1707): 08 Präludium fis-moll BuxWV 146 Marcel Dupré (1886-1971):
Prélude et Fugue en si majeur op. 7 Nr. 1
09 Prélude
10 Fugue Maurice Ravel (1875-1937): 11 Bolero
ORGELKONZERT David Briggs spielt
Mahlers 5. Sinfonie in der Katharinenkirche
Von Christopher Mühleck
OPPENHEIM. "Musikalische
Vorstellungskraft erster Wahl und atemberaubende
Inspiration." - Schenkt man dem Urteil einer britischen
Organisten-Zeitschrift Glauben, dann ist David Briggs ein
Meister seines
Instruments . Hat man den Weg in die Katharinenkirche in
Oppenheim gefunden, so weiß man, dass das englischsprachige
Blatt nicht übertrieben hat.
Pünktlich zum Fest anlässlich des 100.
Todestags Gustav Mahlers, zu dem die Kirchengemeinde in das
bedeutendste gotische Bauwerk zwischen Köln und Straßburg
eingeladen hatte, ließ sich der Orgel-Maestro nicht lange
bitten, um das volle Klangvolumen der Woehl-Orgel zu Mahlers
5. Sinfonie freizusetzen. Zeitlos ragen die gleißenden
Klangsilos der instrumentalen Sinfonie aus Holz und Metall
in die kühle Akustik des mächtigen Kirchenschiffs, als die
ersten Takte des Trauermarschs im 1. Satz mit verzweifeltem
Nachdruck aber auch mit kleinlautem Wehklagen ertönen.
"Streng" schreibt der Komponist direkt dahinter und er
behält Recht. "Traurig" mag man noch hinzufügen, so man in
den Genuss des außergewöhnlichen Arrangements kommt, das
Briggs in seinem vollen Volumen der Orgel virtuos zu
entreißen scheint. Keine drei Jahre nach der
Jahrhundertwende komponiert, bedurfte es 1911, im Todesjahr
Mahlers, einer Bearbeitung der Instrumentierung durch
Mahler, bevor die 5. Sinfonie 1964 im Rahmen der
Mahler-Gesamtausgabe in Druck ging.
Briggs gelingt auf dem nicht immer
schnurgeraden Weg durch die Sätze Nummer zwei und drei die
Aufforderung an die zahlreichen Gäste im Kirchenschiff, in
den Mahlerschen Kosmos einzutauchen. Emotionale Tiefe und
mitreißende Leidenschaft weiß die Sinfonie zu erzeugen und
David Briggs, der bereits als 17-Jähriger sein Diplom am
Royal College of Organists entgegennahm und aktuell in
seiner Wahlheimat Massachusetts in den USA lebt, nutzt die
instrumentale Leinwand hoch oben über dem Westchor, um mit
allen Farben das zu "mahlen", was zu Lebzeiten des Künstlers
wenig Verständnis erfuhr. So mag dem ein oder anderen das
"Adagietto", Mahlers Klang gewordene Liebeserklärung, in
farbenfroher Erinnerung bleiben. Denn schließlich schaffte
es dieser Satz innerhalb der Sinfonie, in den Soundtrack des
Films "Tod in Venedig" von Luchino Visconti aus dem Jahre
1971.